Kreative Projekte und mutige Gründer wurden bei den Energy Awards in Berlin geehrt. Mit welchen Innovationen sie die Energiewende vorantreiben wollen.

Berlin. Große Pläne hat Stefan Dohler, CEO der EWE AG aus Oldenburg. Das fünftgrößte Energieunternehmen der Republik spricht derzeit mit Partnern für eine große digitale Plattform, die Daten im großen Ausmaß nutzt. „Wir müssen das tun, bevor Firmen wie Google hier aktiv werden“, sagt er, man müsse hier europäisch aktiv werden.

Auch Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, setzt auf Digitalisierung in der Energiewirtschaft. Für die Energiewende sei zwar kein Neustart nötig, wohl aber eine konsequente Planung und weitere Innovation. Andreae, die bis Herbst 2019 für die Grünen im Bundestag gesessen hatte, bekannte, dass sie täglich bei ihrer neuen Arbeit dazulerne.Der inspirierende Talk zwischen dem Manager und der Verbandsfrau leitete am Montagabend die Verleihung der „Energy Awards“ ein, die das Handelsblatt zusammen mit Partnern jährlich für geglückte Neuerungen in der Energiebranche verleiht.

Vor knapp 300 Gästen in der „Classic Remise“ in Berlin, einer riesigen Kollektion von Oldtimern, wurden die Sieger aus 152 Bewerbungen in vier Kategorien gekürt. Umgeben von Schmuckstücken der „Old Economy“ wurden innovative Projekte zelebriert: „Hauptsache, Grünstrom“ schien das Motto zu sein.

Von den drei Start-ups, die in einem „Elevator-Pitch“ gegeneinander antraten, siegte Enerthing. Das Team hat Photovoltaik-Folien entwickelt, die künstliches Licht in Gebäuden zur Stromgewinnung nutzen und Batterien überflüssig machen sollen. Gründer Michael Niggemann sieht große Chancen im Internet of Things, wo seine Erfindung bei der Sensorentechnik helfen könnte.

Michael Niggemann (Mitte) und Christian Haase (re.), wurden in der Kategorie Start-up ausgezeichnet. Links: Laudator Uli Huener. Quelle:  Nils Bröer für Handelsblatt

Gründer von Enerthing Michael Niggemann (Mitte) und Christian Haase (re.), wurden in der Kategorie Start-up ausgezeichnet. Links: Laudator Uli Huener. (Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)

Es komme darauf an, dass sich solche Pioniere mit alteingeführten Unternehmen intelligent vernetzen, erklärte Uli Huener, Chief Innovation Office von EnBW, der als Laudator auftrat. In seinen Gesprächen mit Gründern habe er immer wieder festgestellt, dass es genau daran fehle. Deutschland mangele es nicht an Start-up-Talenten, sondern am Mut, etwas daraus zu machen. In der Start-up-Kategorie hatte es insgesamt die meisten Bewerbungen, nämlich 56 an der Zahl, gegeben.In der Kategorie Industrie siegte die Enapter GmbH mit der Idee einer „Grünstrombatterie“, die Strom mittels Elektrolyseuren und Wasserstoff speichert. Die Batterie könne bis zu hundert Kilowatt Energie speichern und koste – verglichen mit der Lithium-Ionen-Batterie – nur rund die Hälfte. Seit diesem Jahr fertigt das Start-up mit Sitz im italienischen Pisa seinen Elektrolyseur in serieller Produktion.

Das Start-up entwickelte eine Batterie, die Strom mittels Elektrolyseuren und Wasserstoff speichert. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Das Team von Enapter Das Start-up entwickelte eine Batterie, die Strom mittels Elektrolyseuren und Wasserstoff speichert. (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Gewinner in der Sparte Mobilität wiederum wurden die Gründer Nikolaus Schweinert und Michael Anton Naderer mit ihrem Unternehmen Dynamic E Flow. Dank hohler Kupferdrähte für die Elektromotoren-Spule, durch die viel Kühlflüssigkeit fließt, können die Maschinen doppelt so viel leisten. Das sei bei Flugtaxis, Industriemaschinen, aber auch bei E-Bussen und E-Lastwagen wichtig.

Als Gewinner in der Sparte Mobilität nahm Manuel Hartong vom Unternehmen dynamic E flow den Preis stellvertretend für die Gründer Michael Anton Naderer und Nikolaus Schweinert entgegen. Quelle:  Nils Bröer für Handelsblatt

Als Gewinner in der Sparte Mobilität nahm Manuel Hartong vom Unternehmen dynamic E flow den Preis stellvertretend für die Gründer Michael Anton Naderer und Nikolaus Schweinert entgegen. (Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)

Bei der Kategorie „Smart City“ schließlich lag die CMBlu Energy AG aus Alzenau in Nordbayern vorn: Die Organic-Flow-Batterie speichert Strom in einer flüssigen Elektrolytlösung auf Basis organischer Moleküle, die unter anderem aus Lignin gewonnen werden können. Lignin fällt bei der Papier- und Zellstoffproduktion in großen Mengen als Abfallstoff an. Interessant auch ein Musterprojekt, mit dem Eon das südschwedische Dorf Simris komplett auf erneuerbare Energien umstellt und dies in einem Facebook-Krimi („Verschollen in Simris“) kommuniziert.

Gerald Heimann, Peter Koob, Peter Geigle, Daniel Weigand und Christoph Penter. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Das Team der CMBlu Energy AG Gerald Heimann, Peter Koob, Peter Geigle, Daniel Weigand und Christoph Penter. (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Die Green Hydrogen Esslingen GmbH wiederum hilft, in der Neckarstadt ein klimaneutrales Stadtquartier hochzuziehen – mit einem Elektrolyseur, der selbst erzeugten Solarstrom und andere erneuerbare Energien in Wasserstoff verwandelt.

Technologie der Firma verwandelt andere erneuerbare Energien in Wasserstoff. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Manfred Norbert Fisch von der Green Hydrogen Esslingen GmbH Technologie der Firma verwandelt andere erneuerbare Energien in Wasserstoff. (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Die Energy Awards sind die bekannteste Veranstaltung der 2013 gegründeten Energy Academy, die 170 Mitglieder hat und sich zu aktuellen Fragen äußert sowie Diskussionsforen veranstaltet. In einem mehrstufigen Verfahren unter wissenschaftlicher Begleitung hat der Thinktank die Nominierten und Gewinner gekürt.Es habe sich im Jahr 2019 enorm viel in der Branche geändert, erklärte Matthias Karger vom Start-up Node.energy auf der Bühne. Seine Bezugspunkte: der ungeheure Buschbrand in Australien sowie die Ankündigung des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, nicht mehr aktiv in Firmen zu investieren, die auf fossile Energie setzen.

Der einstige Beachvolleyball-Nationalspieler beklagt, was viele beklagen: die Überregulierung und exzessive Bürokratie rund um die Energiewende, die dadurch ausgebremst würde. Karger hat dagegen eine Software entwickelt, die verspricht, dezentrale Energiekonzepte zum Kinderspiel zu machen. Über solche Thesen diskutierten die Gäste bis weit nach Mitternacht.