Wasserstoff-Start-ups erleben einen Boom. Die meisten setzen dabei auf Industrie-Anlagen. Enapter liegt eine andere Idee zugrunde, entstanden in Thailands Norden.
 

Düsseldorf Sebastian-Justus Schmidt ist viel unterwegs – Japan, China, Schweiz oder Deutschland. Geplant war das nicht. Denn der Chef des Elektrolyse-Spezialisten Enapter wollte sich eigentlich längst zur Ruhe gesetzt haben. Erst vor wenigen Tagen hat sein kleines Unternehmen die erste Serienfertigung eröffnet.

Grüner Wasserstoff erhält gerade eine bisher nie da gewesene Aufmerksamkeit, obwohl das Verfahren der Elektrolyse schon lange etabliert ist. Seit der Hype um grünen Wasserstoff vor ein paar Monaten begann, kann sich das Start-up vor Anfragen kaum retten – und Schmidt hat entsprechend viel zu tun.

Beim Verfahren der Elektrolyse wird Wasser mithilfe von Strom in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Kommt der Strom aus erneuerbaren Quellen, ist der entstandene Wasserstoff entsprechend „grün“. Wieder in Strom umgewandelt, kann er bei Bedarf wieder ins Netz eingespeist werden und so als saisonaler Speicher für Wind- und Solarenergie dienen.

Aber auch synthetische Kraftstoffe, E-Fuels oder Methan-Ersatz zum Heizen lassen sich aus Wasserstoff herstellen. „Elektrolyseure werden eine unverzichtbare Komponente für die Energiewende sein“, sagt Detlef Stolten, Leiter des Instituts für elektrochemische Verfahrenstechnik am Forschungszentrum Jülich.

Dass es auch Anwendungen für den kleineren Maßstab wie beispielsweise Enapter gibt, sei prinzipiell nichts Neues. „Aber diese Unternehmen haben sich bislang auf die reine Wasserstoffproduktion für die Industrie konzentriert – und die ist oft sehr teuer“, so Stolten. Im Energiebereich gehe es jetzt darum, diese Kosten zu senken. „Aber ein Marktpotenzial gibt es hier in Zukunft mit Sicherheit“, sagt Stolten.

Das weiß auch Sebastian-Justus Schmidt. „Wenn wir wirklich eine Industrie nach vorne bringen wollen, muss es günstig sein“, sagt er. „Und wir wollen das große Rad drehen.“

Dabei fing alles damit an, dass Schmidt sein Haus im thailändischen Chiang Mai so grün wie möglich machen wollte. Daraus wurde am Ende das Phi-Suea-Hausprojekt – ein Gelände mit einem Haupthaus, zwei Gästehäusern, einem Arbeitshaus, dazu Erholungs- und Sportmöglichkeiten.

Der gesamte Komplex versorgt sich mittlerweile über Solaranlagen, Speicher, Elektrolyse und Brennstoffzellen komplett selbst, einen Anschluss an das thailändische Stromnetz gibt es nicht. „Die Idee war, so erneuerbar wie möglich zu sein. Aber es hat immer etwas zu den 100 Prozent gefehlt.“

Lithium-Ionen-Batterien habe es auch 2014 schon gegeben, die aber noch extrem teuer und von der Ökobilanz auch nicht ideal gewesen wären. „Irgendwann bin ich durch Zufall auf eine kleine italienische Firma gestoßen und habe gesehen, dass eine unterbrechungsfreie Stromversorgung mit erneuerbaren Energien möglich ist“, erzählt Schmidt.

Serienfertigung im September gestartet

Die kleine italienische Firma hieß damals noch Acta und hatte sich auf die Herstellung von Elektrolyse-Geräten spezialisiert. „Tagsüber geht überflüssiger Solarstrom in die Elektrolyse, aus der dann grüner Wasserstoff entsteht, der wiederum über Brennstoffzellen bei Bedarf wieder zu Strom umgewandelt werden kann“, erklärt der gebürtige Schleswig-Holsteiner. Er kaufte sich vier der Systeme und brachte sie in seinem eigenen Haus an.

„Andere kaufen sich einen Ferrari, ich mir ein Energiesystem“, sagt er heute. Solch eine Anlage kostete damals 16.000 Euro. Das Besondere: Der Wasserstoffgenerator kann schon ab einer kleinen Größe eingesetzt und dann beliebig erweitert werden.

Schmidt war so begeistert, dass er aus dem privaten Hausumbau schnell ein internationales Multi-Energieprojekt machte. Als Acta 2017 pleite ging, kaufte er den Elektrolyse-Spezialisten kurzerhand selbst. „An dem Tag saß ich in Italien im Hotel, habe einen Beitrag über den steigenden CO2-Ausstoß gesehen und konnte nicht mehr schlafen. Da dachte ich mir, wenn du was tun willst, tu’ es jetzt“, erklärt er. 

Zwei Jahre und einen Namenswechsel später hat Enapter seine Erfindung bereits in mehr als 25 Ländern auf der ganzen Welt verkauft. Erst im April wurde das Start-up von der deutschen Energieagentur (dena) mit dem Set-Award in der Kategorie „Emissionsarme Energieproduktion“ als eines der „innovativsten und wirkungsvollsten Geschäftsmodelle in den Bereichen Energiewende und Klimaschutz“ ausgezeichnet.

Von der Wasserstoff-Tankstelle in Japan bis zum Alpengasthof in Frankreich: Bislang sind die Projekte des Start-ups noch sehr kleinteilig. Mit der neuen Serienfertigung soll sich das aber in Zukunft ändern. „Wir haben die Preise schon auf 11.000 Euro pro System runter bekommen. Bei der nächsten Generation im Dezember rechnen wir mit weiteren 20 Prozent Kostenreduktion“, kündigt Schmidt an. 

„Wir wollen an die Leute ran, die 2500 Dieselgeneratoren in Asien an Masten austauschen wollen. Das muss super einfach und leicht zu vernetzen sein“, sagt er. Und genau da sieht Schmidt die Lücke für Enapter.

Damit könnte er Recht behalten. „Wir konzentrieren uns beim Thema Power-To-X immer auf die Massenmärkte, aber daneben werden auch viele Nischen entstehen“, glaubt auch Experte Stolten. 

Die Finanzierung hat Enapter sich zumindest bis Anfang 2020 schon mal gesichert. Bei der jüngsten Runde hat Schmidt mehr als vier Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Das meiste Geld hat er bisher allerdings selbst in das Start-Up gesteckt.