Written by Kathrin Witsch

 

Düsseldorf Wasserstoff ist für viele das nächste große Ding in der neuen Energiewelt. Ob in Raffinerien, Chemiefabriken oder Stahlhütten – sie alle wollen auf grünen Wasserstoff, der mit erneuerbaren Energien erzeugt wird, setzen. Zahlreiche große Unternehmen wollen die Anlagen für den Treibstoff der Zukunft produzieren. Konzerne wie Siemens Energy, Linde, Air Liquide oder Nel Asa planen, mit ihren sogenannten Elektrolyseuren die Industrie CO2-frei zu machen.  

Das kleine Wasserstoff Start-up Enapter ist der erfahrenen Konkurrenz allerdings einen Schritt voraus. Im beschaulichen Saerbeck, einer 7000-Einwohner-Gemeinde im Münsterland, will Gründer Sebastian-Justus Schmidt die erste Massenproduktion für seine Elektrolyseure aufbauen.

Bis zu 100 Millionen Euro sollen in die hochautomatisierte Fertigung fließen, die schon im kommenden Jahr die Produktion aufnehmen soll. „Wir wollen mit unserer Fabrik in Nordrhein-Westfalen den Schritt in die Industrialisierung gehen. Wir kommen mit unseren jetzigen Kapazitäten einfach nicht mehr aus“, sagt Enapter-Chef Schmidt dem Handelsblatt. 

Anders als die milliardenschwere Konkurrenz setzt Enapter auf kleine Elektrolyse-Systeme, die beliebig vergrößert werden können. Denkbar ist die Anwendung im Eigenheim bis hin zur Tankstelle oder als Ersatz für den Einsatz von Dieselgeneratoren. „Wir wollen modulare Elektrolyseure bauen, die die Herstellung von Wasserstoff so günstig machen, dass fossile Energien sich nicht mehr rechnen“, erklärt Schmidt. 

Wasserstoff ist derzeit in der gesamten Industrie im Trend. Der Luftfahrtkonzern Airbus will seine Flugzeuge zukünftig damit antreiben, der Stahlkonzern Thyssen-Krupp will grünen Wasserstoff nutzen, um die Kokskohle in seinen Hochöfen zu ersetzen. 

Grüner Wasserstoff ist für immer mehr Länder ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. EU-Energiekommissarin Kadri Simson sieht für ihn sogar eine „Schlüsselrolle“ neben der Windenergie. „Unser Ziel ist es, grünem Wasserstoff als Energiequelle einen gewaltigen Schub zu geben“, sagte Simson erst kürzlich im Interview mit dem Handelsblatt.

Noch ist die Herstellung von grünem Wasserstoff allerdings sehr teuer und oft nur in Pilotprojekten zu finden. Bei dem Verfahren der Elektrolyse wird Wasser mithilfe von Strom in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Kommt der Strom aus erneuerbaren Quellen, ist der entstandene Wasserstoff entsprechend „grün“.

Wieder in Strom umgewandelt, kann er bei Bedarf wieder ins Netz eingespeist werden und so als saisonaler Speicher für Wind- und Solarenergie dienen. Aber auch synthetische Kraftstoffe, E-Fuels oder Methan-Ersatz zum Heizen lassen sich aus Wasserstoff herstellen.

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