Berlin/Chiang Mai (energate) – Das Start-up Enapter will die Kosten für die Elektrolyse von Wasserstoff deutlich senken. Das Unternehmen setzt dabei auf eine Serienfertigung und den Verzicht auf teure Komponenten. Geschäftsführer Sebastian-Justus Schmidt spricht im energate-Interview über die Technologie, Anwendungen und den Aufbau einer Produktion in Deutschland.

energate: Sie versprechen mit Ihrer kompakten Elektrolyse-Technologie, die Kosten für die Elektrolyse deutlich zu senken. Wie gelingt Ihnen das?

Schmidt: Wir werden die Kosten von Wasserstoff in weniger als fünf Jahren auf unter 1,50 Euro pro Kilogramm bringen. Wir haben mehrere Ansätze, die jeder für sich unsere Kostenreduzierung belegen: 1. In dem AEM-Elektrolyseur werden keine teuren Edelmetalle verwendet. Das heißt, alles was skaliert wird, wird im Preis günstiger. 2. In unseren Systemen kennen wir jede Schraube und jedes eingesetzte Gramm Material. Da sind Kalkulationen mit Skalierungsansätzen natürlich viel einfacher. 3. Wir haben wesentliche Verbesserungen in den vergangenen beiden Jahren erzielt und allein das Systemdesign auf fast die Hälfte der ursprünglichen Größe verringert. Wir sehen, dass wir noch sehr, sehr viel Optimierungsspielraum haben. Dieser wird zu weiteren Kostenvorteilen führen. 4. Wir haben eine Software entwickelt, die uns hilft, die Systeme perfekt zu überwachen und mit eigener Intelligenz auftretende Fehler frühzeitig zu erkennen. Das ist ein essenzieller Baustein für die Massenfähigkeit und Zuverlässigkeit der Systeme. 5. Skalierung bedeutet auch, einfach mehrere Systeme zusammenzuschalten und damit größere Systeme zu erzeugen. Das wird heute bei allen Computern genauso gemacht. Vorteil: Einfachheit, Ausfallsicherheit, Redundanz, Flexibilität.

energate: Auf welche Anwendungen zielen Sie ab?

Schmidt: Wir haben heute Kunden, die in sehr vielen unterschiedlichen Bereichen tätig sind. Wir haben kleine RefuellingStationen in Japan, Drohnen-Befüllungsanlagen in China, Glasherstellung in Indien, und natürlich auch sehr viele Powerto-Power-Systeme, zum Beispiel bei dem Energiepionier Arno Tilsner in Münster. Eine größere Power-to-Gas-Anlage in Rozenburg/Rotterdam mit acht Elektrolyseuren in einem Projekt von der DNV GL zeigt die Skalierungsfähigkeit unseres Systems. Wir erzeugen dezentral Wasserstoff. Uns geht es um die Dekarbonisierung weltweit. Da ist uns eigentlich jede Anwendung recht. Unsere Systeme müssen einfach zu integrieren sein, sicher zu nutzen und zuverlässig sein. Die Kostenvorteile, die wir mit unserer verbesserten Serienfertigung und den neuen Systemen haben, geben wir an unsere Kunden weiter. In den nächsten Wochen geben wir die Preissenkung für unseren neuen “Electrolyser 2.1.” bekannt. Dieses neue System wird Ende Februar zur Messe in Tokyo vorgestellt.

energate: Sie planen auch eine Produktion in Deutschland. Wie ist der Stand der Dinge?

Schmidt: Wir hatten schon länger Kontakt mit der GTAI (German Trade and Invest) und eine offizielle Anfrage im Oktober 2019 gestartet. Aus allen Bundesländern haben wir sehr interessante Angebote erhalten. Wir waren von der positiven Resonanz sehr überwältigt. Eine Reihe wirklich guter Rückmeldungen haben uns gezeigt, dass es bundesweit wirklich funktionierende Standortprogramme für grüne Technologien gibt. Was mich aber persönlich besonders beeindruckt hat, sind die vielen Menschen vor Ort, die authentisch und überzeugend dahinterstehen. Ein Minister eines Bundeslandes hat uns persönlich geschrieben und uns zum Gespräch geladen. Wir haben noch keine finale Entscheidung getroffen, sind diese Tage dabei, die “Shortlist” zu definieren. Wir hoffen, dass wir in die finale Auswahl Ende Februar gehen können. Aber eines ist jetzt schon klar: Die Entscheidung wird uns sicher nicht leichtfallen.

Die Fragen stellte Karsten Wiedemann, energate-Büro Berlin.

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