Wasserstoffstrategien werden auf europäischer, nationaler, regionaler und kommunaler Ebene mit zunehmender Geschwindigkeit umgesetzt. Das grüne Molekül ist als wesentlicher Baustein für die Reduzierung von CO2-Emissionen anerkannt, Ausrichtung und der Anspruch der Entscheidenden sind klar formuliert.

Aber nicht immer ist deutlich, wie die Umsetzung der Strategien auf praktischer Ebene funktionieren soll und was sie für diejenigen bedeuten, die an den Grundlagen für die Anwendung von grünem Wasserstoff arbeiten. Wie passt ein einzelnes Wasserstoffunternehmen ins Bild?

Wir zeigen, wie die Theorie in der Praxis gelingen kann und wie wir uns mit der Skalierung modularer AEM-Elektrolyseure in diese vielschichtigen Strategien einfügen. Um zu verstehen, wie Enapter in das große Ganze passt, müssen wir im Kleinen beginnen.

Start in Saerbeck

Im letzten Jahr haben wir angekündigt, dass die Gemeinde Saerbeck der Standort für unsere erste Massenproduktionsanlage und unsere Forschung und Entwicklung sein wird. Hier entsteht der Enapter Campus.

Mit einem eigenen Bioenergiepark produziert die „Klimakommune“ Saerbeck schon jetzt das Zweifache ihrer benötigten Strommenge, PV Anlagen und ein nahe gelegener Windpark verdoppeln diese nochmal. 2022 wird unser Campus in Betrieb gehen. Neben der Versorgung dieser Elektrolyseur-Massenproduktion mit erneuerbarer Energie hat Saerbeck die Wasserstoffmobilität im Visier: Die Kommune rechnet mit der Einrichtung einer wasserstoffbetriebenen Buslinie und einer Wasserstofftankstelle zwischen 2023 und 2025.

Initiativen wie diese sind Win-win-Situationen: Innovative Kommunen erhalten Zugang zu grüner Mobilität, Elektrolyseur-Hersteller kommen mit jeder Lieferung einer Parität mit grauem Wasserstoff näher.

Saerbeck spielt eine wichtige Rolle in der Expansionsstory von Enapter. Genauso ist Enapter für die Entwicklung und Umsetzung grüner Wasserstoffprojekte in Saerbeck und darüber hinaus von zentraler Bedeutung. Denn auch wenn die Kommune eine ausgereifte Klimaschutzstrategie besitzt, die konkrete Wasserstoffanwendungen berücksichtigt, zeigen sich umfassendere Wasserstoffstrategien erst auf der Kreisebene.

Die Strategie im Kreis Steinfurt

Saerbecks Ambitionen für eine wasserstoffbetriebene Mobilität sind ein Teil des Masterplans des Kreis Steinfurt. Mit ihm war die Region Finalistin im Rennen um den Titel als „Modellregion Wasserstoff-Mobilität“ in Nordrhein-Westfalen. Auch wenn der Kreis nicht gewonnen hat, so hat er doch sein Engagement für klimafreundliche Energie und Mobilität sowie das Preisgeld von 350.000 Euro dazu genutzt, um seine Strategie unter der Marke „HYMAT-Energie“ zu etablieren.

Ende 2020 hat der Kreis Steinfurt und energieland2050 e.V. das Kompetenzzentrum und Netzwerk für Wasserstoffmobilität ins Leben gerufen. Bei der Umsetzung des Masterplans soll Enapter eine Schlüsselrolle im Wissenstransfer und bei der Produktion von grünem Wasserstoff spielen. Der Masterplan sieht vor, bis 2030 das gesamte Spektrum der Wasserstoff-Infrastruktur zu realisieren: von der Produktion von grünem Wasserstoff über die Verteilung bis hin zur Wasserstoffmobilität.

Unter den 32 Projekten finden sich eine wasserstoffbetriebene Zugverbindung, die bis 2025 realisiert werden soll, regionale Wasserstoffkanäle und Wasserstofftankstellen und noch mehr Wasserstoff-Buslinien – alles gesteuert von dezentralen Teams, eines davon in Saerbeck.

Zusätzlich zu unseren Elektrolyseuren, die eine Reihe dieser Projekte ermöglichen, wird Enapter als Teil des Saerbecker Kompetenzteams dazu beitragen, den Fokus des Netzwerks auf die Wasserstoffforschung, -entwicklung, -produktion, -speicherung, -nutzung und -logistik zu lenken.

Solche Strategien auf Kreisebene bündeln die Fähigkeiten der Kommunen und ermöglichen die Umsetzung von Wasserstoff-Initiativen, zu denen jede für sich nicht in der Lage wären. Außerdem verbinden sie den Wasserstoff-Standort mit der umliegenden Region dank regionaler Pipeline-, Kanal- und Flughafenverbindungen.

Neue Industrie in Nordrhein-Westfalen

Die erfolgreiche Umsetzung des Masterplans von HYMAT-Energie ist ein wesentlicher Beitrag zur neuen Wasserstoffstrategie des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW), die im November 2020 vorgestellt wurde.

Die Roadmap baut auf den drei Säulen Industrie, Mobilität sowie Energie und Infrastruktur auf. Wie in Steinfurt gliedert sie sich in die Zeithorizonte 2025 und 2030.

Der Bedarf an Wasserstoff in NRW wird bis 2050 auf 104 TWh anwachsen. Mit Investitionen in grünen Wasserstoff will das Land vom bevorstehenden Boom profitieren und die Emissionsreduzierung in der Industrie vorantreiben. Nicht zuletzt können so neue Arbeitsplätze geschaffen und alte ersetzt werden, die durch den Übergang von den fossilen Brennstoffen verloren gegangen sind.

Bei der Vorstellung der Roadmap im vergangenen Jahr wies Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Landesminister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, auf unsere Elektrolyseure als aktuelles Beispiel für die Art von Technologien hin, die NRW entwickeln und produzieren muss, um in der wasserstoffbasierten Industrie der Zukunft erfolgreich zu sein.

In seiner Wasserstoff-Roadmap identifiziert das Land die AEM-Technologie als grünes Wasserstoffproduktionsverfahren, von dem eine Senkung der Material- und Systemkosten für Elektrolyseure erwartet wird. Als weltweit einziger kommerzieller Hersteller von AEM-Elektrolyseuren ist Enapter in der perfekten Position, dieses Kostensenkungspotenzial zu realisieren und damit die Verbreitung von grünem Wasserstoff voranzutreiben.

Nordrhein-Westfalen erfindet sich für das nächste Industriezeitalter neu. Wenn wir unsere Planungen hier umsetzen können, leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung eines sich selbst tragenden grünen Wasserstoff-Ökosystems.

Deutschlands Ziele

Für Deutschland und Nordrhein-Westfalen liegen die Vorteile eines schnellen Umstiegs auf grünen Wasserstoff klar auf der Hand: Er ist ein wesentliches Instrument zur Reduzierung von CO2-Emissionen. Außerdem bietet er wirtschaftliche Chancen und den notwendigen Impuls, die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie abzufedern. Das Land kann hier Vorreiter sein.

Zusätzlich zu bereits bestehenden Programmen zur Entwicklung von Wasserstoff-Technologien wird die deutsche Wasserstoffstrategie ab 2020 mit einem Paket von 9 Mrd. Euro ausgestattet. Der erste Schritt ist die schnellere Einführung von Wasserstofftechnologien und die Etablierung eines starken und nachhaltigen innerdeutschen Marktes für die Produktion und Nutzung von Wasserstoff.

Betrachtet man die Ziele Deutschlands für den Aufbau einer sich selbst tragenden Wasserstoffwirtschaft, wird deutlich, wie sich Enapter hier einfügt. Die Bundesregierung plant, bis zum Jahr 2025 bis zu 5 GW an grüner Wasserstoffkapazität aufzubauen. Dazu wird sie den Aufbau und Betrieb von Elektrolyseuren unterstützen. Ein großer Teil könnte bereits im Jahr 2022 durch unseren Campus in Saerbeck in Betrieb gehen. Hier werden wir modulare Elektrolyseure mit einer jährlichen Gesamtkapazität von 280 MW produzieren. Das entspricht mehr als 5 % des deutschen Ziels.

Investitionen in die Skalierung der Produktion von modularen Technologien wie AEM-Elektrolyseuren (und nicht nur in den Bau größerer Einzelanlagen) sind notwendig, um die Produktionskapazitäten aufzubauen, die die Nachfrage von Anfang an decken. Die dezentrale Produktion von grünem Wasserstoff macht unzählige Anwendungsfälle möglich, die zusammen zum Aufbau eines Wasserstoff-Ökosystems beitragen, das auch den europäischen Zielen entspricht.

Green Deal – Grüner Wasserstoff

Die EU unterstützt so entschlossen wie Deutschland den Ausbau von grünen Wasserstofftechnologien. Bis 2030 will sie mindestens 40 GW an Elektrolyseuren für erneuerbaren Wasserstoff installieren und bis 2050 grüne Wasserstofftechnologie im großen Maßstab in allen Sektoren einsetzen, in denen Emissionsminderungen nur schwer möglich sind.

Von der EU finanziert wird die European Clean Hydrogen Alliance hierfür in eine Reihe von sauberen Wasserstoffinitiativen investieren. Zusätzlich werden die notwendigen politischen Rahmenbedingungen geschaffen. Die EU geht davon aus, dass bis 2050 bis 180-470 Mrd. Euro notwendig sind, um einen Markt für erneuerbaren Wasserstoff und die notwendige Produktions-Infrastruktur zu schaffen.

Beschleunigt wird diese Entwicklung vor allem von den IPCEIs, den sogenannten „Important Projects of Common European Interest“: Das kommende IPCEI Hydrogen unterstützt zwar Unternehmen nicht direkt (das würde zu einem unausgewogenen Wettbewerb führen), aber es investiert in internationale Wasserstoff-Ökosysteme oder Wertschöpfungsketten. Solch eine Wertschöpfungskette entsteht in Saerbeck, Steinfurt und NRW. Sie hat großes Potenzial für eine grenzübergreifende Integration mithilfe der Rheinhäfen und der Beneluxländer.

Die Unterstützung dieser Wertschöpfungsketten hilft der EU nicht nur, ihre Elektrolyseur-Ziele zu erreichen. Wenn wir das Kostensenkungspotenzial der AEM-Elektrolyseure weiter ausschöpfen, werden diese zu einer führenden Wasserstoff-Produktionstechnologie und einzigartig für die Wertschöpfung auf deutscher und europäischer Ebene. Denn AEM ist eine europäische Technologie. Und mit B2B-Unternehmen wie Enapter schafft jede hier verkaufte Einheit weitere Wertschöpfung bei EU-Systemintegratoren und hilft der Branche dabei, zu wachsen.

Auf globaler Ebene gibt es keine vergleichbare Wasserstoffstrategie. Aber es ist durchaus denkbar, dass UN-Gremien oder die UN-Klimagespräche einen Weg dorthin ebnen können. Ganz konkret hat die Mission Innovation Initiative – entstanden auf der COP21 in Paris – mit ihrer Hydrogen-Valley-Plattform einen ersten Schritt in diese Richtung getan.

Auch wenn die Ambitionen und Strategien auf höchster Ebene Wirkung haben, muss grüner Wasserstoff breitenwirksam zum Thema werden. Wir glauben, dass grüne Wasserstoffunternehmen zu diesem strategischen Wachstum beitragen können, indem sie auf allen Ebenen einen Mehrwert schaffen.